02.10.2019

Energiemanagement lohnt sich bereits für kleine Unternehmen

Oder: Was Weißwurst & Bier mit vernetzter Industrie zu tun haben (Ein Rückblick auf den Energy4U)

Geballte Innovationskraft und Erfindergeist im Dienste von Energieeffizienz zeigten sich eindrucksvoll bei „Energy4u“ – einem Fachkongress zu Technologien in der Energiebranche, der am 26. September 2019 in Karlsruhe stattfand. Die Konferenz wurde veranstaltet von der Hochschule Karlsruhe Technik und Wirtschaft und dem EnergieForum der Wirtschaftsförderung Karlsruhe. Die regionale Kompetenzstelle Energieeffizienz Mittlerer Oberrhein (KEFF) unterstützte erneut „Energy4u“ tatkräftig als Mitorganisator: zum einen im Vorfeld bei der Programmplanung und zum anderen als Pate für einen der vier Säle, in denen die Sessions parallel abliefen. Dort führten die KEFF-Effizienzmoderatoren Markus Kauber und Jonas Wilke durch das Programm. (Bildquelle R718: E4U, Alex Federow)

Die gesamte Energieeffizienz-Bandbreite erleben bei Energy4u

Rund 50 Referentinnen und Referenten präsentierten technische Neuerungen, gaben Effizienzempfehlungen und Informationen zu Fördermöglichkeiten. Mit Themenblöcken wie „Effiziente Gebäude“, „Innovative Energiespeicher“, „Natürliche Kältemittel“, „E-Mobilität“, „Photovoltaik und Licht“ sowie „Kreative Köpfe“ wurde die gesamte Bandbreite der Energie abgedeckt - ob Energiewandlung, Energietransport oder Energiespeicherung.

Immer up to date – Warum sich KEFF an Energy4u beteiligt

„Es gibt viele gute Gründe für unsere Beteiligung an Energy4u“, so Markus Kauber, der als KEFF-Effizienzmoderator für die Stadt Karlsruhe zuständig ist. „Der wohl wichtigste ist, dass wir für die Unternehmen in Sachen Energieeffizienz up to date sein wollen. Welche technischen Lösungen gibt es derzeit bzw. sind im Kommen, mit denen man energieeffizient arbeiten kann? Das Thema Energieeffizienz ist so komplex geworden, dass wir gerne für die Unternehmen den Durchblick haben, um ihnen individuell in puncto Optimierungspotentiale zur Seite zu stehen. Wir filtern vor, welche der Neuerungen für welches Unternehmen wirklich sinnvoll und finanziell lohnenswert sein könnte. Und so vermitteln wir in dem einen Unternehmen schon mal ein Innovationsthema, während bei dem anderen Unternehmen ein Bündel kleiner einfacher Maßnahmen – mit denen man ja schon bis zu 15 % Energie einsparen kann – der richtige Weg wäre.

Smarte Energieeffizienz in Gebäuden – Energiemanagementsysteme

Am Vormittag waren im „KEFF-Hörsaal“ „Effiziente Gebäude“ im Fokus. Unternehmen ab 250 Personen müssen in Deutschland seit 2015 regelmäßige Energieaudits durchführen. Und so griffen mehrere Referenten die Norm EN-ISO 50001 zur Zertifizierung von Energiemanagementsystemen auf, die nach der Revision nun einen expliziten Nachweis über die Verbesserung der Energieleistung des Unternehmens fordert. Christoph Schlenzig von Seven2one Informationssysteme stellte unter dem Motto „Efficency first“ ein Software-System für Energiemanagement in Echtzeit vor. Dieses „Smart-Grid“ kombiniert Erzeugung, Speicherung und Verbrauch und gleicht Leistungsschwankungen durch fluktuierende erneuerbare Energien aus. Idealerweise erzeuge man seinen eigenen Strom, empfahl er für große Unternehmen. Gerade wenn man neben der Energieeinsparung das Ziel habe, sich klimaneutral am Markt positionieren zu wollen, als „sauberes Unternehmen“ – so wie es Daimler angekündigt hat – sei dies ein unverzichtbarer Baustein.

Der Energieberater Stefan Kretzschmar von Endress & Hauser erläuterte ein Messstellenkonzept und wies auf den Techniktrend Druckluftheizkraftwerk hin, das mit Gas statt Strom betrieben wird.

Smart Home für kleine Unternehmen

Was ist aber mit den kleineren Unternehmen – lohnt sich auch für sie ein Energiemanagementsystem? Ja, meinte der Energieberater Dipl-Ing. Gunnar Böttger von SESolutions aus Durlach. Mit einem Smart-Home-System – gegebenenfalls einem selbstlernenden – das den Energieverbrauch an den Bedarf anpasst und die einzelnen Komponenten in Abstimmung aufeinander reguliert, könne man deutlich Geld sparen und der Umwelt etwas Gutes tun. Zudem liefern die erfassten Daten ähnlich einem EKG klare Anhaltspunkte für sinnvolle Justierungen.

Faktor Mensch

Bei aller Begeisterung für hilfreiche Software und Technologien ist es am Ende doch immer der Mensch, der im Mittelpunkt steht, erläutert Matthias Friedmann, KEFF-Moderator für Rastatt: „Wir bringen gerne auch die passenden Unternehmen und Menschen zusammen, um energieeffiziente Maßnahmen im Unternehmen anzuregen bzw. umzusetzen, die sowohl ökonomisch als auch ökologisch sinnvoll sind. Wir haben ein großes Expertennetzwerk und haben uns bei „Energy4u“ auch mit Referenten-Empfehlung eingebracht. Wir sehen es als eine wichtige Aufgabe, Menschen, die Wertvolles im Energiesektor anbieten oder mitzuteilen haben, eine Plattform zu geben.“ Passend dazu stand der Nachmittag im „KEFF-Hörsaal“ unter dem Motto „Netzwerke“.

Netzwerke aller Art

In der Netzwerke-Session stellte beispielsweise das Start-up-Unternehmen edge-it sein Projekt vor, mit kleinen regionalen grünen Clouds Digitalisierung und Energiewende zu verbinden – in Form von Containern, die in Wind- und Solarparks aufgestellt werden und Cluster aus benachbarten Einheiten bilden sollen. Das Anliegen von Dieter Sommerhalter von der Infrastruktur-Trägergesellschaft ist es, Unternehmen der Industrie energiesparend zu vernetzen: mit einer IoT-Plattform, Technologie-Wissen und Fördergeldern. Als Beispiel nannte er das neue Fußballstadion in Freiburg, das mit Hilfe der Abwärme eines benachbarten Unternehmens beheizt wird.

Wenn die Weißwurst mit dem Bier vernetzt ist

Auf dem „Marktplatz der Ideen“ bestand die Gelegenheit für den direkten Austausch mit den Referenten und für einen Imbiss. Am einem Stand von Studenten der Hochschule wurde ein Bayerisches Frühstück angeboten. Dabei wurden die Würstchen durch die Abwärme der Kälteanlage zur Bierflaschen-Kühlung erhitzt: „Energievernetzung zum Reinbeißen“ ...

Future Mobility Roadshow der NUFAM

Durch eine Kooperation mit der IHK Karlsruhe und der NUFAM war es noch möglich, am Nachmittag einen Trupp der Future Mobility Roadshow der NUFAM zu bestaunen: PKWs und LKWs, die mit nichtkonventionellen Kraftstoffen wie Strom und Brennstoffzellen angetrieben werden.

Wasserstoff-Bus des KIT Karlsruhe, Fahrzeuge mit Elektro- und Wasserstoffantrieb, E-Lastenfahrräder (Bildquelle: E4U Alex Federow)

Ansprechpartner

Markus Kauber

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c/o KEK – Karlsruher Energie- und Klimaschutzagentur gGmbH
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