30.03.2017

KEFF Thementag Energieeffizienz in der Produktion - "Ohne Energieeffizienz keine Energiewende"

„Ohne die konsequente Steigerung der Energieeffizienz in den kleinen und mittleren Betrieben Baden-Württembergs werden wir die Energiewende nicht umsetzen können“. Staatssekretär Dr. Baumann brachte es gleich zu Beginn in seiner Eröffnungsrede im Rahmen des KEFF Thementags vor etwa 130 Gästen im Stuttgarter Haus der Wirtschaft auf den Punkt. Gerade hier könne die stark industriell geprägte und äußerst innovative Wirtschaft Baden-Württembergs eine Vorreiterrolle spielen.

Dr.-Ing. Hannes Spieth, Geschäftsführer der gastgebenden Landesagentur Umwelttechnik BW, sieht besonders die möglichen Wettbewerbsvorteile durch die Steigerung der Energieeffizienz und nicht zuletzt die daraus verbundene Sicherung von Produktionsstätten im Land. Mit einem Verweis auf die Aufgaben des landesweiten Netzwerks Regionale Kompetenzstellen Energieeffizienz, kurz KEFF, stünde es im Vordergrund, die Verantwortlichen in Unternehmen für die vielen Facetten und Ansatzpunkte des Themas Energieeffizienz zu sensibilisieren. „Die KEFF-Effizienzmoderatoren decken im Rahmen des KEFF-Checks gemeinsam mit den Firmenverantwortlichen Potenziale auf und begleiten die Betriebe bei der Auswahl geeigneter Experten der Planung und Umsetzung im Bereich Energieeffizienz“, so Spieth.

Einen Blick in die Zukunft warf Sebastian Weckmann vom Institut für Energieeffizienz in der Produktion der Universität Stuttgart (EEP). Im Zusammenhang mit dem Ausbau der erneuerbaren Energien spiele das Thema Netzstabilität für Unternehmen zukünftig eine immer größere Rolle. Die Steigerung der Energieeffizienz und damit die Reduktion des Energieverbrauchs werden ebenso bedeutend sein wie beispielsweise der Einsatz von Energiespeichern im Rahmen eines smarten Energiemanagements.

Philipp Engel, Effizienzmoderator der KEFF Südlicher Oberrhein, stellte in seinem Beitrag den Aufgabenbereich eines Effizienzmoderators vor. In seiner täglichen Arbeit stieße er auf ein breites Spektrum an Effizienzpotenzialen. Oftmals ließen sich mit sehr einfachen und günstigen Maßnahmen große Einsparungen erzielen. Trotzdem sei, vor allem im Bereich der Produktionsketten, die Vermittlung an Experten notwendig und zielführend.

„Wenn es um die Effizienzsteigerung im Produktionsprozess geht, kann es nur einen Ansprechpartner geben: den Prozessverantwortlichen“. Mit dieser Aussage stellte Dr.-Ing. Kai Kerber, Leiter Smart Foundry Solutions, Oskar Frech GmbH + Co. KG aus Schorndorf klar, welch entscheidende Rolle das Expertenwissen im jeweiligen Bereich spiele. Er merkte zudem an, dass sich Industrie 4.0 und Energieeffizienz in Zukunft gut vertragen werden, da schon heute softwaregesteuerte Prozesse zu erheblichen Einsparungen führen würden.

Ralf Münter, CO2-Koordinator der Robert Bosch GmbH, griff das Thema Industrie 4.0 auf. Er schilderte, wie wichtig professionelles Energiemonitoring zur Umsetzung von Energieeffizienzmaßnahmen sei. Sein Motto: „Wenn ich nichts produziere, sollte ich auch keine Energie verbrauchen“. Deshalb sei es notwendig, eine möglichst absolute Transparenz des Energieverbrauchs durch ständige und auch automatisierte Überwachung zu schaffen.

Ein Praxisbeispiel zur Effizienzsteigerung einer Rückkühlanlage stellte Alexander Höhe, Projektingenieur Energieeffizienz der Wieland Anlagentechnik GmbH, vor. Dabei ging er auf systematische Methoden zur Erkennung von Energieeinsparpotenzialen ein und zeigte auf, wie wichtig es sei, vorhandene Messdaten sinnvoll zu nutzen und diese strategisch ausgerichtet zu erheben.

Auf die besondere Problematik der Ausgleichsregelung des EEG  ging Matthias Endriß, stellvertretender Energie- und Umweltmanagementbeauftragter der schwäbischen Härtetechnik Ulm GmbH & Co. KG, ein. Er schilderte die erheblichen finanziellen Nachteile, die ein energieintensiver Betrieb bei der Umsetzung von Energieeinsparungen durch Effizienzsteigerungen erleiden kann. Dazu käme es, wenn die Stromkosten in Relation zur Bruttowertschöpfung den Wert von 20 Prozent nicht mehr überschritten.

Auch das Thema Förderung kam beim Thementag zur Sprache. Dr.-Ing. Michael Große, Projektverantwortlicher für die Förderung energieeffizienter und klimaschonender Produktionsprozesse, Projektträger Karlsruhe (PTKA), stellte in seinem Vortrag die Förderrichtlinie für energieeffiziente und klimaschonende Produktionsprozesse vor. Unternehmen könnten bei Effizienzmaßnahmen mit 20 Prozent der Investitionsmehrkosten gefördert werden. Ziel der Förderung sei die Senkung des spezifischen Energieverbrauchs sowie die effiziente Nutzung von Energie aus Produktionsprozessen oder Anlagen und die energetische Optimierung von Produktionsprozessen.

Fragerunden mit den Referenten rundeten die Veranstaltung ab. Neben den technischen Lösungsansätzen zur Steigerung der Energieeffizienz in Unternehmen wurde hierbei auch der psychologische Aspekt angesprochen. Auf die Frage des Moderators Joachim Mahrholdt, langjähriger Redakteur und freier Journalist, wie viel Psychologie es zur Umsetzung von Energieeffizienz in Unternehmen bedarf, waren sich die Referenten einig: Das Thema sei auch eine Kulturfrage im Unternehmen und Mitarbeiter müssten ausreichend sensibilisiert und einbezogen werden.

Autor

Ralf Stahl

Quelle

UTBW

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