08.12.2017

Den Wandel mitgestalten.

Effizienzmoderator Matthias Friedmann auf dem DENA-Kongress in Berlin

Nach rund 18 Monaten als KEFF-Moderator im bodenständigen Südwesten Deutschlands, machte ich mich auf die Reise in die pulsierende und kreative Metropole Berlins. Um dort als Vertreter von KEFF-BW, am größten deutschen Energiewendekongress der DENA im ehemaligen Ost-Berlin teilzunehmen. Das Zusammentreffen von über 800 Menschen und Energieakteuren, mit dem Ziel der Energiewende in Deutschland weiter voran zu bringen, war ein besonderes Ereignis. Durch den Kongress erhoffte ich mir neue Anregungen und Inspiration für meine Arbeit, die Energiewende ist eine der größten Herausforderungen unserer Zeit.

Der Kongress stand in diesem Jahr unter dem Motto „Agenda für die Integrierte Energiewende“. Er bildete einen spannenden Jahresabschluss für 2017 und gleichzeitig dies Basis für eine Neuausrichtung für  2018. Wie erreicht man Unternehmen für Nachhaltigkeit, Energieeffizienz und Ressourcenschutz? Dies hat mich als KEFF-Moderator die letzten Wochen immer wieder beschäftigt. Mittlerweile bin ich an dem Punkt angelangt, dass es im Zeitalter von Informationsflut und Transformation neue Weg benötigt. „Den Unternehmer, für das Thema anzuzünden!“ ist ein Satz, der mir dabei für die Strategie von KEFF immer wieder in den Sinn kommt. Und wie gelingt dies? Indem ich den Unternehmer neben rationalen und wirtschaftlichen Argumenten, auch emotional erreiche und begeistere. Wenn er von dem Thema berührt wird, schafft er sich auch den Raum gemeinsam mit seinen Mitarbeitern, als Unternehmen und in der Region, für dieses übergeordnete Ziel einzusetzen. Dabei spielt das Thema Innovation auch eine Schlüsselrolle, viele Unternehmer sind offen für neue Innovationen und lassen sich auch darüber „anzünden“.

Doch nun zum Kongress, dieser begann schwungvoll mit einer Podiumsdiskussion mit hohen Vertretern aus der Wirtschaft. Unter ihnen der Vorsitzende der Geschäftsführung des Energiegiganten Vattenfall, Herr Tuomo Hatakka, oder auch der Vorstandsvorsitzende der Ford-Werke, Herr Gunnar Herrmann. Beide Führungskräfte sprachen von einem notwendigen Paradigmenwechsel ihrer Branche. Sätze wie „Nur Autos bauen, reicht nicht mehr aus.“ oder „Dass ist keine Trauerfeier für Vattenfall“ blieben dabei in Erinnerung. Die Führung von Vattenfall ist durch die Ereignisse der vergangenen Jahre demütiger worden ist und hat daraus gelernt. „Wir jammern nicht, wir handeln und gestalten Zukunft.“, war von ihm eine prägende Aussage, welche für das Gelingen der Energiewende und der Transformation Mut macht. Vattenfall hat sich selbst zum Ziel gesetzt, bis 2030 aus der Kohle auszusteigen und geht damit den politischen Vertretern voraus.

Ein gemeinschaftliches Fazit des Wirtschaftsforums war es, den Blick als Gesellschaft und Industrienation auf die Chancen der Energiewende zu richten. „Die Energiewende ist ein Schlaraffenland für Ingenieure“, war dahingehend eine markante Aussage. Ebenso dass es für ein Gelingen der Transformation essentiell ist neue Partnerschaften und Kooperationen einzugehen, aus welchen sich wiederum neue Business Cases entwickeln können. Planungssicherheit für Kommunen, Unternehmen und Bürgern, wurde außerdem als wesentlicher Punkt und wichtigstes Anliegen an die Politik gesehen und eine konsequente strategische Ausrichtung auf die 3 großen „D’s“ der Energiewende, Decarbonisierung, Digitalisierung und Dezentralisierung.

Wo stehen wir? Wo geht die Reise hin? Mehrheitlich war man der Meinung, dass die neue Regierung jetzt die Weichen stellen muss um ihre selbstgesteckten Ziele zu erreichen. Das die 2020-Ziele nicht mehr erreichbar sind, wurde auch deutlich. Wichtig ist es nun, genau daraus zu lernen und jetzt einem konkreten Maßnahmenfahrplan bis 2050 zu erstellen, vom Reden ins Handeln zu kommen. Ein wesentlicher Baustein dabei, dass bisher vernachlässigte Thema Energieeffizienz und damit auch das Kernthema von KEFF. Somit zeigte sich für mich, dass wir mit dem Grundgedanke von KEFF in Baden-Württemberg Vorreiter sind.

Um erfolgreiches Umsetzen der Energiewende und damit unsere Zukunft ging es auch beim Energy Efficiency Award 2017. In diesem Jahr gab es dafür über 100 Bewerbungen und die Preisverleihung wurde in 3 Kategorien durchgeführt, plus dem Publikumspreis. Eingeleitet wurde die Preisverleihung durch eine Podiumsdiskussion. Thorsten Herdan, Leiter der Abteilung für Energiepolitik im Bundesministerium Wirtschaft und Energie, verdeutlichte nochmals was notwendig ist um das weltweite 2-Grad-Ziel noch zu erreichen. „Alle wollen Klimaschutz, aber nicht konkret. Wir brauchen einen weltweiten CO2-Preis, sonst haben wir keine Chance und das Ganze geht den Bach runter!“. Von 2500 Terrawattstunden Gesamtjahresenergieverbrauch in Deutschland, werden aktuell nur 150 durch Wind und Strom erzeugt, ein kompletter Kohleausstieg würde lediglich weitere 250 Terrawattstunden bringen. Deutschlands Ziele sind nur durch Effizienzerhöhung und durch den Import von Erneuerbaren Energien gebunden in E-Fuels und E-Gas möglich. Daher sollte es die Hebung der Effizienzpotentiale mit im Kerngeschäft der Unternehmen mit eingebunden und bei den Führungskräften verankert werden. Und genau dafür können wir von KEFF in BW die Unternehmen sensibilisieren.

Nun zu den Preisträgern des Awards. Gewinner der Kategorie Energiewende 2.0 wurde Aldi Süd, dass Unternehmen hat sich zum Ziel gemacht seine Effizienzpotentiale zu heben und so wenig CO2 wie möglich zu emittieren. Das Thema Nachhaltigkeit wird Teil des Kerngeschäfts und verändert damit auch die Firmenstrategie. Der Supermarkt der Zukunft nutzt die Abwärme der Kühltheken, beleuchtet seine Märkte mit LED, bietet seinen Kunden kostenloses Laden von E-Autos und produziert auf 1200 Filialen eigenen Strom aus der Sonne. Grüne Energie und biologische Lebensmittel ergänzen sich dabei prächtig und motivieren die Kunden.

Gewinner in der Kategorie Energieeffizienz 4.0, wurde das Maschinenbauunternehmen AIXTRON. Sage und schreibe um 74% konnte das Unternehmen seine Energieverbräuche, an einem nur 6 Jahren alten Produktionsstandort, durch Effizienzverbesserungen reduzieren. Dies war in erster Linie durch eine intelligente Kopplung der Energiekomponenten am Standort möglich. Die verbleibenden 26% Energiebedarf, möchte das Unternehmen zukünftig aus Erneuerbaren Energien beziehen.

Noch effizienter ist eine Brauerei aus Bayern, welche den Publikumspreis abräumte. Die Brauerei der Zukunft hat es tatsächlich geschafft die Stoffkreisläufe im Unternehmen weitestgehend zu schließen. Und so konnten aus der energetischen Wiederverwertung von Rohstoffen aus dem Brauprozess 90% der Energie für die Wärmeerzeugung zurückgewonnen werden.

In der Kategorie E-Dienstleistungen, erhielt der Fußball-Leichtathletik-Verband-Westfalen zudem den Preis für ihr ganzheitliches Energiekonzept, welche auch die sozialen Bereiche mit einschließt.

Bei allen 4 Preisträgern zeigte sich, dass es zum Gelingen der Energiewende eine soziale Akzeptanz und ein Miteinander benötigt. 88% der Bevölkerung stehen hinter der Energiewende, dieser Konsens ist überwältigend, wie eine Studie der ASS Potsdam belegt. Doch es benötigt nicht nur Akzeptanz, sondern auch Begeisterung für das Thema, welche bei allen vier Preisträgern deutlich im großen Rund des Kongresssaals zu spüren war.

Diese Begeisterung und auch Faszination muss in die Energiewende reinkommen und genau dies ist auch die Aufgabe von KEFF. Den Blick neu ausrichten weg von dem negativen Image und der Furcht, hin zu dem Positiven, dem Spaß, der Herausforderung, dem Gemeinschaftsprozess, der großen Chance unsere Zukunft aktiv und sinnvoll mitzugestalten, den Mut zur Veränderung. Von dem vielen Reden und Hören, ins Tun zu kommen, einfach Anfangen. Unternehmen ermutigen, Räume für Begegnung zu gestalten, aus welchen Veränderung erwächst, Innovation, Teamarbeit, Spirit und Identifikation. Für mich als KEFF-Moderator, habe ich für zum Ziel, die Geschichte der Energiewende dahingehend neu erzählen.

Chad Frischmann macht dies bereits, indem er Erfolgsgeschichten aus der ganzen Welt in einem Buch gesammelt hat (Drawdown à100 most substantive solutions to reverse global warming).  Er betonte am Kongress, dass wir davon wegkommen müssen, immer nur über Lösungen und Technik zu reden, sondern mehr über die persönlichen Geschichten von Menschen aus allen Bereichen und Bevölkerungsschichten der Welt.

Erfolgsgeschichten erzählten auch die 5 Jungunternehmer beim Start Up Energy Transition Award 2018. Die Start-Up’s zeigten auch auf, dass wir den Wandel selbst mitgestalten können und jedes Problem zu einer Herausforderung wird die Transformation mitzugestalten. Und immer wieder viel dabei das Wort Verbindungen schaffen, Kooperation, Integration und Inspiration.

Für 2018 freue ich mich diesen Wandel mitzugestalten und auf inspirierende und anregende Begegnungen mit den Menschen in der Region, um den  Geist des DENA-Kongresses vor Ort in die Unternehmen zu tragen.

Matthias Friedmann, KEFF-Moderator Mittlerer Oberrhein, c/o Energieagentur Mittelbaden Rastatt

Impressionen aus Berlin und vom dena-Kongress

 

NO2-Reduktion, ganz groß am HBF Berlin

 

DHL ist bereits nachhaltig in Berlin unterwegs

 

Auch Daimler ist bei der „Share“-Economy angekommen

 

Die Weltuhr dreht sich unaufhörlich weiter Richtung 2050 und dem großen Ziel einer weltweiten CO2-Reduktion
 

Erstes politisches Panel mit allen Parteien nach dem Abbruch der Sondierungsgespräche

 

Preisträger Energy Efficiency Award 2017

 

Autor

Matthias Friedmann

Quelle

KEFF Mittlerer Oberrhein

Ansprechpartner

Matthias Friedmann

Matthias
Friedmann
KEFF Mittlerer Oberrhein
Effizienzmoderator der regionalen Kompetenzstelle Energieeffizienz Mittlerer Oberrhein
07222 38131-24
c/o Energieagentur Mittelbaden gGmbH
Am Schlossplatz 5
76437 Rastatt
Deutschland